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Totenkronen und Totenkronenbretter in der Herzberger Kirche

Von Barbara & Wolfgang Zwenger

Der Brauch der Totenkronen erstreckte sich vom 17. Jahrhundert bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, demzufolge verstorbenen Kindern und jungen unverheirateten Menschen zum Gedenken Totenkronen gefertigt wurden. Nach dem Brauch sollte den Verstorbenen dadurch im Tode das Recht auf die Ehe, als Ersatz für die zu Lebzeiten entbehrte Brautkrone, eingeräumt werden.

Eine bemerkenswerte Sammlung gut erhaltener ländlicher Totenkronen und Totenkronenbretter aus der Zeit zwischen 1844 und 1893 befindet sich im nördlichen Anbau der Kirche. Diese wurden einigen jungen Menschen aus Herzberg gewidmet, die im Alter zwischen 12 und 33 Jahren verstarben.

Es ist davon auszugehen, dass es sich bei dieser Sammlung nur um einen Teil des ursprünglichen Bestandes handelt. Möglicherweise sind die früheren Totenkronen den verschiedenen Verordnungen im Verlaufe des 18. bis zur Mitte des 19.Jahrhunderts zur Abschaffung des Totenkronen-Brauchs zum Opfer gefallen, dem damit ein Missbrauch der Kirche unterstellt wurde. Die vorhandenen Totenkronenbretter sind auch nicht identisch mit der Anzahl der im betrachteten Zeitraum tatsächlich verstorbenen jungen Menschen des Dorfes.

Die meisten der vorhandenen Totenkronen wurden aus künstlichen Myrten und Kunstblumen nicht nur als Kranz, sondern mit Hilfe eines Drahtgestells zu Bügelkronen geflochten. Eine dieser Kronen ist zudem zusätzlich mit grünen Perlen verziert.

Totenkronen

Die Totenkronen wurden in frühester Zeit mit den Initialen der Verstorbenen versehen und nach dem Begräbnis zur Erinnerung an die jungen Verstorbenen an den Innenwänden der Kirche angebracht, oft neben dem Sitzplatz der Mutter oder im Eingangsbereich der Kirche. Später wurden für die Aufbewahrung der Totenkronen vielfältig gestaltete und meist reich verzierte Totenkronenbretter angefertigt und mit Inschriften versehen. Die Herzberger Totenkronenbretter haben alle eine längliche rechteckige Form und besitzen im Wesentlichen drei unterschiedlich gestaltete Konsolen. Diese befinden sich entweder oberhalb oder unterhalb der Bretter als offene oder aber als holzumrahmte Ablage, auf der die Krone platziert ist. Die oberhalb angebrachten Konsolen sind an ihrer Unterseite jeweils mit einem Blütenkranz verziert. Offenbar die wertvollsten der Totenkronenbretter sind durch die dritte Art der Gestaltung entstanden. Diese tragen oberhalb an Stelle der einfachen Konsolen farbige holzgerahmte Glaskästen mit gedrechselten Verzierungen, in denen sich die Kronen flachliegend befinden. Von den verglasten Kästen hängen meist lange goldfarbene und grüne Schleifen herab.

Ein Kronenbrett unterscheidet sich in seiner Gestaltung von allen anderen. Die Krone befindet sich hier auf einem Ständer im Glaskasten mit spitzem Dach. Das Kronenbrett und die Vitrine sind goldfarben und teilweise marmoriert. Im Gegensatz zu den anderen Kästen hängen hier von der Krone blaue und gelbe Schleifenbänder herab. Die Krone zieren blaue und weiße Blüten.

Die Inschriften auf den Totenkronenbrettern geben Auskunft über Namen, Alter, Geburts-und Sterbedatum. Mitunter sind die Inschriften zusätzlich mit Sprüchen versehen.

Im Vergleich zu anderen Gegenden Deutschlands ist hier davon auszugehen, dass jede Totenkrone bzw. jedes Totenkronenbrett jeweils nur für einen Verstorbenen angefertigt wurde.

Drei Totenkronenbretter sind verstorbenen Angehörigen des Militärs zwischen 1871 und 1878, die als Füsilier, Train Soldat und Militär Krankenwärter gedient hatten, gewidmet. An einem der Bretter ist ein Ehrenzeichen von 1870-1871 angebracht.

Ein anderes enthält in einem von Kunstblumen umrahmten Kranz den Spruch:

 “Was Dir die Erde karg gewähret,
 Sei reich im Himmel Dir bescheret !
 Ob trüb`Dir sank das Auge zu,
 Dort lacht Dir Friede, Licht und Ruh.”

Eine als Kranz gebundene Totenkrone ist umgeben von einem schwarzen Rahmen. Sie enthält außer dem Namen keine weiteren Informationen über den Verstorbenen. Mittig auf farbigem Bild steht folgender Spruch geschrieben:

 “Weinend legen wir Dich nieder
 In dies stille Schlafgemach
 Niemals kehrst Du zu uns wieder,
 Ach ! drum weinen wir Dir nach,
 Doch einst schlägt die schöne Stunde,
 Wo wir froh uns wiederseh`n,
 Und vereint im schönsten Bunde
 Vor dem Throne Gottes steh`n.

Wenngleich alle Kronenbretter aufwendig gearbeitet wurden, ist zu erkennen, daß diejenigen mit den holzumrahmten Glaskästen die wertvollsten sind. Allerdings ist daran, wie bereits festgestellt, nicht die soziale Stellung der Familien abzulesen. Denn auch einfache Kossäten,Tagelöhner oder Arbeiter haben sich, wie es die Sammlung zeigt, diese besondere Ehrung für ihre verstorbenen Angehörigen geleistet. Die Totenkronenbretter enthalten u.a. folgende Zusätze oder Erläuterungen:

 - Der früh verstorbene Train Soldat ....Der 2. Artillerie Munitions Kolonne Brandenburgisches Feld Artillerie Regiment Nr.3
 - Der früh verstorbenen Militär Krankenwärter ... vom Garnison Lazareth zu Küstrin.
 - ältester Sohn des Kossäth ..... hier.
 - ....in das Garnison Lazareth zu Wittenberg an den Folgen des Typhus gestorben
 - eheliche Tochter des Kossäth...... hier.
 - gewidmet von ihren trauernden Jugend Freunden
 - Der früh verstorbenen Jungfer
 - Zum Andenken des Junggesell


Die Angabe des Alters der Verstorbenen wurde analog zum Sterberegister meist mit Jahr, Monat und Tag vorgenommen.Während die vorhandenen Totenkronen (Bügelkronen) nach ihrem Aussehen alle ähnlich sind, gab es offenbar für die Totenkronenbretter mehrere Hersteller. Es läßt sich jedoch keine spezielle Regel oder Mode für ihre Anfertigung erkennen. Beispielsweise gibt es in der Zeit zwischen 1871 und 1875 Totenkronenbretter sowohl mit offenen oberständigen und umrahmten unterständigen Konsolen, als auch mit holzgerahmten Glaskästen.

Das älteste Totenkronenbrett der Sammlung von 1844 ist mit den Abmessungen 30 x 60 cm am kleinsten, während ein Brett aus dem Jahre 1878 mit 115 x 42 cm über die größten Abmessungen verfügt. Unterschiede zwischen Totenkronen und Kronenbrettern für Jungen und Mädchen lassen sich nicht feststellen.

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